Profi-Fußballtraining von Martin Hasenpflug

Abwehrkette: Eine komplette Trainingseinheit

Die Abwehrkette ist die letzte Reihe des Mannschaftsverbands. Sie besteht aus drei, vier oder fünf Spielern. Je mehr Spieler in der Abwehrkette agieren, desto breiter die Verteidigungslinie. Mehr Spieler in der Abwehrkette bedeutet gleichzeitig weniger Spieler in der Offensive und somit weniger Möglichkeiten, Druck auszuüben. Die zentrale Aufgabe der Abwehrkette ist das Vereiteln von Torchancen und im besten Fall die Balleroberung. Die Qualität der Defensive ist abhängig vom Zusammenspiel zwischen Abwehr und Mittelfeld.

Die Basis einer starken Defensive ist ein kompakter Mannschaftsverband. Spieler, die in engen Abständen zueinander auf der Innenbahn zwischen Ball und eigenem Tor stehen. Spielt der Gegner in den Mannschaftsverband, kann der Passempfänger, aufgrund der engen Abstände, sofort gedoppelt (2-gegen-1) werden. Im Vergleich zum 1-gegen-1 ermöglicht das Doppeln die kontrollierte Balleroberung. Im Erfolgsfall kontert man gegen einen „offenen“ Gegner.

Beim Doppeln wird zunächst versucht den Angespielten mit dem Rücken zum Spiel zu stellen. Dann geht ein zweiter Spieler direkt auf den Ball. Kann der Gegner dagegen aufdrehen, so setzt ihn der ballnächste Spieler unter Druck. Durch eine seitliche Stellung wird er auf einen tiefer postierten Mitspieler gelenkt. Sobald er sich den Ball vorlegt, attackiert der Mitspieler.

Der Gegner hat die Möglichkeiten, den kompakten Mannschaftsverband mit Spielverlagerungen und Flugbällen in die Spitze auszuhebeln. Für diese Fälle gilt es gerüstet zu sein. Auf eine Spielverlagerung reagiert man mit Verschieben und lauert auf einen schlecht gespielten Pass, der sich attackieren lässt. Einen Flugball kann man durch rechtzeitiges und deutliches Zurückweichen entschärfen. Der Abwehrspieler soll vorwärts in den Ball gehen können. Mitspieler lassen sich ebenfalls fallen und versuchen den zweiten Ball zu gewinnen.

Die Verteidigungslinie gilt es möglichst lange zu halten. Die Verteidiger sollen sich nicht von wegstartenden Gegenspielern aus den Räumen ziehen lassen. Das Team agiert stets gestaffelt. Der ballnächste Spieler rückt zum Ball vor, übt Druck aus, aber ohne sich ausspielen zu lassen. Die benachbarten Positionen rücken diagonal dahinter ein. So werden Passwege geschlossen und im Falle eines Durchbruchs kann noch eingegriffen werden.

Der Mannschaftsverband verschiebt nicht nur seitlich, sondern je nach Situation auch vertikal. Kann der ballführende Gegner unter Druck gesetzt werden, schiebt die Abwehr vor und bildet eine kompakte Einheit hinterm Ball. Gelingt kein Druck, muss man mit einem Flugball über die Abwehr rechnen und deshalb lassen sich die Verteidiger fallen. Erfolgt dennoch kein Flugball und der Ballführende steht wieder unter Druck, wird wieder vorgeschoben. Auch wenn der Ball nach vorne zu einem Gegner verteidigt wird, kann ein Flugball erfolgen. Deshalb in diesem Fall tief bleiben. Kontert der Gegner mit einem Dribbling auf die Abwehrkette, lässt diese sich, bis zu einer für einen Torschuss gefährlichen Distanz, fallen. Dabei rückt sie nach innen ein und die 6er setzen nach.

Die folgenden Trainingsformen verbessern das defensive 1-gegen-1 und das Verhalten der Abwehrkette bezüglich des Verschiebens, der Staffelung und des Übergebens von Gegenspielern. Zudem wird das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Mittelfeld trainiert.

abwehrkette 01Organisation & Ablauf (1. TE, Übung)

Ein Feld (12 x 10 Meter) mit einem Hütchentor 2 (Breite: 5 Meter) aufbauen.

2–6 Spieler mit Bällen zu A. Position B doppelt und Position C einfach besetzen.

Spieler A passt zu Spieler B, B lässt klatschen und hinterläuft Hütchen B. A spielt in den Lauf von B und B leitet das Zuspiel direkt zu Spieler C weiter. C nimmt den Pass ins Feld mit und versucht entweder durchs HT 1 oder HT 2 zu dribbeln. Direkt nach Pass Ž läuft Spieler A durch das HT 2, versucht den Ball zu gewinnen und über das HT 3 zu kontern.

Die Spieler wechseln eine Position weiter (A zu B, B zu C und C mit Ball zu A). Sobald eine Zweikampf-Entscheidung gefallen ist, startet der nächste Durchgang.

Spieleranzahl: 5–9 Spieler.

Wettbewerb: Einzelwettbewerb. Dribblings durch die HT 1 und HT 3 ergeben einen Punkt und ein Dribbling durch HT 2 drei Punkte. Welcher Spieler erreicht zuerst sechs Punkte?

Variation: Zu einem spiegelverkehrt aufgebauten Parcours wechseln.

Tipp: Verteidiger A versucht Angreifer C möglichst weit vor dem HT zu stellen und nach außen (HT 1) zu steuern. Nachdem ein kurzer Abstand hergestellt ist, seitliche Stellung einnehmen und durch Rückwärtsbewegung (auf dem Vorderfuß) den Abstand halten. Legt der Angreifer sich den Ball vor, schiebt sich der Verteidiger zwischen Gegner und Ball.

abwehrkette 02Organisation & Ablauf (1. TE, Spielform)

Ein Feld (20 x 15 Meter) aufbauen. Auf den Grundlinien jeweils zwei Minitore.

Zwei 4er-Teams bilden. Genügend Ersatzbälle bereithalten.

Im Feld wird 4 gegen 4 gespielt. Jedes Team verteidigt zwei Minitore und greift auf zwei Minitore an. Gegen den Ball agieren die Teams als Viererabwehrkette. Bei Ballaus geht es immer von der Grundlinie des ballbesitzenden Teams weiter. Abseits beachten. Nach einer Balleroberung muss noch einmal gepasst werden, damit ein Treffer zählt.

Die Spielzeit beträgt vier Minuten.

Spieleranzahl: 8–10 Spieler. Die Teams verfügen über einen Ersatzspieler.

Wettbewerb: Bei mehr als zwei Teams ein Turnier spielen. Ab vier Teams zwei Felder aufbauen. Bei einer ungeraden Teamanzahl absolviert das pausierende Team z. B. ein Kreisspiel.

Variation: Anstatt Minitore je Grundlinie drei HT (Breite: 3 Meter) markieren. Diese müssen dann überdribbelt werden.

Tipp: Nur Defensivtaktik coachen. Der ballnahe Verteidiger übt Druck aus (nicht ausspielen lassen) und die anderen Verteidiger sichern ab (tiefer und eingerückt stehen). Klar kommunizieren, welcher Verteidiger Druck ausübt. Hinterläuft ein Angreifer, setzt sich AV ab und IV übernimmt den Ballführenden.

abwehrkette 03Organisation & Ablauf (1. TE, Spielform)

Ein Feld (40 x 40 Meter) vor einem Großtor mit zwei Minitoren aufbauen.

Eine Viererabwehrkette und zwei feste Sturmspitzen bestimmen und vor dem Strafraum postieren. Die restlichen Spieler sind Offensiv­akteure. Zwei von ihnen ins Feld und die anderen mit Bällen zwischen den Minitoren.

Ein Offensivspieler dribbelt mit dem Ziel ins Feld, in einem 5-gegen-4 ein Tor zu erzielen. Nach einem Ballgewinn kontern die Verteidiger auf die Minitore. Bei Ballaus oder Tor startet der nächste Durchgang, indem ein neuer Offensivspieler ins Feld dribbelt. Der Offensivspieler, der am längsten aktiv ist, verlässt das Feld. Die Abwehrkette und ST bleiben.

Der ausscheidende Offensivspieler wechselt mit Ball zwischen den Minitoren.

Spieleranzahl: 9–18 Feldspieler. Bei 9 Spielern genügend Ersatzbälle zwischen die Minitore. Nach Aktionsende holt sich ein Offensivspieler einen Ball und der nächste Durchgang startet. Ab 15 Spieler verlassen immer alle drei Offensivspieler das Feld und drei neue kommen.

Wettbewerb: Die Verteidiger führen mit 4:1. Können die Angreifer das Ergebnis innerhalb von vier Minuten „umdrehen“?

Variation: Für die Konter kann man auch ein Jugendtor aufbauen.

Tipp: AV üben Druck auf die Außenspieler aus. Sturmspitzen übergeben. Abseits beachten.

abwehrkette 04Organisation & Ablauf (1. TE, Abschlussspiel)

Ein Spielfeld in Strafraumbreite bis zur Mittellinie markieren. Auf die Mittellinie ein mobiles Großtor stellen.

Zwei 5er-Teams bilden. Diese agieren defensiv jeweils mit einer Dreierkette und zwei 6ern. Die Tore mit Torhütern besetzen und Ersatzbälle in die Tore.

Das verteidigende Team hat jeweils die Aufgabe, kompakt gegen den Ball zu spielen. Sie gehen nicht in eine aktive Balleroberung (Pressing), sondern verengen die Räume durch Verschieben und Staffelung der 6er. Die Dreierkette bleibt dabei möglichst lange kompakt und schiebt immer wieder an die 6er ran. Der ballnahe 6er übt Druck auf den Ball aus und der ballferne 6er sichert den druckausübenden 6er ab. Das angreifende Team versucht in der Offensive Überzahl zu schaffen, indem die AV sich in den Angriff einschalten.

Spieleranzahl: 10–14 Feldspieler. 6er-Teams (4-2-0) bilden und Spielfeld verbreitern. 7er-Teams (4-3-0) bilden und komplette Spielfeldbreite. Das 3er-Mittelfeld agiert als Kette.

Wettbewerb: Welches Team schießt mehr Tore?

Tipp: Kleiner Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld. Bei einer Spielunterbrechung wird das Spiel immer beim Torwart des ballbesitzenden Teams fortgesetzt. Stürmer übergeben. Flanken blocken. Doppeln. Abseits beachten.

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Kontaktinformationen

Name: Martin Hasenpflug

Adresse: Nevigeser Str. 79, 42551 Velbert

Internet: www.fussballtraining.li

E-Mail:

Facebook: http://bit.ly/hasenpflug

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