Über das Angriffsmittel Tiefenlauf haben wir schon öfters geschrieben und auch eine entsprechende Trainingseinheit geboten. Nun geht es mit einer weiteren Trainingseinheit zum Thema weiter. Zur Erinnerung; mit dem Tiefenlauf lassen sich insbesondere hochstehende Abwehrketten überwinden.

Beim Tiefenlauf gilt es einen möglichst hohen und zentralen Mitspieler so anzuspielen, dass dieser frontal zum Gegner aufdrehen kann. Ist er aufgedreht, sprintet ein Mitspieler so in den Rücken der Abwehr, dass ein Passweg zwischen ihm und dem Ballführenden entsteht. Auf Abseits achten und dann einen gut dosierten Pass spielen. Es kann flach und hoch in die Tiefe gespielt werden. Flache Pässe kommen schnell an und sind einfach zu verarbeiten. Dies erhöht das Spieltempo.

Die Trainingseinheit wird mit einem Warm-up gestartet. Je nachdem wieviele Spieler am Mannschaftstraining teilnehmen, baut man dieses ein-, bzw. zweimal auf. Baut man es aufgrund einer höheren Spieleranzahl zweimal auf, so legt man die athletischen Gerätschaften so aus, dass eine Gruppe mit links und die andere Gruppe mit rechts Pässe spielt. Es folgt ein leichtes Stretching.

Nach dem Stretching folgen Spielformen und Torschuss. Diese organisiert man ebenfalls nach Anzahl der Spieler. Verfügt man über eine große Gruppe, so absolviert man die Spielform 1, jeweils parallel zur Spielform 2 und dem Torschuss. Spielformen und Torschuss absolviert man im Wettbewerb, um eine höhere Intensität zu erreichen.

Warm-up TiefenlaufOrganisation & Ablauf (Warm-up)

Ein Feld (25 x 25 Meter) bestehend aus vier äußeren Hütchen und zwei zentralen Stangentore (Breite: 4 Meter). Zweimal athletische Aufgaben entsprechend der Zeichnung auslegen.

Die Spieler zur gleichen Zahl an den vier Hütchen verteilen. Vorrangig zu A ein Spieler mehr. Der vorderste Spieler A mit Ball.

Spieler B startet in die Tiefe und erhält von Spieler A einen Pass durchs Stangentor zugespielt. B leitet den Ball zu Spieler C weiter. Jetzt gleiche Aufgabe bei C. Spieler D läuft in die Tiefe und erhält von C einen Pass, welcher durchs andere Stangentor gespielt wird. D leitet den Ball zu A weiter.

Die Spieler wechseln eine Position weiter. Die Spieler B und D absolvieren beim Wechsel eine athletische Aufgabe.

Spieleranzahl: 5–17 Spieler. Ab 10 Spieler mit zwei Bällen gleichzeitig spielen (Ball bei A und C).

Variation: Wechsel der Spielrichtung (Spiel und Wechsel im Uhrzeigersinn). Andere athletische Gerätschaften.

Tipp: Ohne Abseits. Blickkontakt herstellen. Erst der Tiefenlauf, dann der Pass. Den Tiefenlauf so wählen, dass man auf eine Linie zum Ball und Stangentor kommt. Ball druckvoll in die Bewegung spielen. Auf einen guten ersten Kontakt achten.

Spielform TiefenlaufOrganisation & Ablauf (1. Spielform)

Ein Spielfeld (24 x 20 Meter) aufbauen und in drei Zonen teilen: zwei Endzonen (Tiefe: 9 Meter) und eine Mittelzone (Tiefe: 6 Meter).

Zwei 3er-Teams bilden und zwei neutrale Spieler bestimmen. Die Neutralen in eine Endzone und die zwei Teams in die Mittelzone. Alle Bälle zu den Neutralen.

Ziel der Neutralen ist es, einen Spieler der angriffsberechtigten Mannschaft so in Szene zu setzen, dass dieser entweder in die gegenüberliegende Endzone dribbeln kann oder dort ein Zuspiel von ihnen erhält. Abseits gilt nur in der Endzone. Die Verteidiger müssen in der Mittelzone bleiben. Erobern sie den Ball, passen sie zu einem Neutralen und das Angriffsrecht wechselt.

Spieleranzahl: 8–15 Spieler. 4er-Teams bilden und drei Neutrale bestimmen. Ab 12 Spielern Ersatzspieler bestimmen. Diese wechseln mit jedem Punkt ins Feld.

Wettbewerb: Welches Team erzielt zuerst zehn Punkte?

Variation: Bei größeren Teams das Feld verbreitern. Zeitlimit für ein Angriff beträgt 20 Sekunden. Dann wechselt das Angriffsrecht.

Tipp: Die offensiven Außen agieren breit, werden immer wieder angespielt, um Lücken im Zentrum zu erzeugen. Können die Außen nicht in die Endzone dribbeln, lassen sie das Zuspiel klatschen. Dann kommt immer der zentrale Angreifer für einen Klatsch-Ball entgegen und gleichzeitig läuft der entfernte Außenspieler in die Tiefe. Die Neutralen verlagern schnell und geduldig. Sie agieren zielstrebig, haben ihren Kopf oben und sind ballsicher.

Spielform: Neutralen absolvieren TiefenläufeOrganisation & Ablauf (2. Spielform)

Ein Feld (32 x 32 Meter) mit zwei von Torhütern besetzten Großtoren aufbauen.

Zwei 3er-Teams bilden. Zwei Teams ins Feld und die Spieler des dritten Teams verteilen sich neben den Toren. Ausreichend Bälle in beide Tore.

Im Feld wird zunächst 3-gegen-3 gespielt. Der TW eröffnet das Spiel. Dabei müssen sich alle seine Mitspieler in der eigenen Hälfte befinden. Die Spieler des dritten Teams sind neutral. Einer von ihnen sprintet immer im passenden Moment in die Tiefe. Er bleibt bis zur nächsten Spielunterbrechung im Spiel. Somit entsteht immer ein 4-gegen-3-Überzahl. Der Neutrale darf nur in der gegnerischen Hälfte angespielt werden.

Nach einer Spielunterbrechung wechselt der aktive Neutrale zu einer freien Torseite und wartet dort auf seine nächste Aktion.

Spieleranzahl: 8–12 Feldspieler. 4er-Teams bilden. 2-4 neutrale Spieler.

Wettbewerb: Turnierform jeder gegen jeden. Vier Minuten Spielzeit.

Variation: Nur der Neutrale Darf in die gegnerische Hälfte. Abseitsregel gilt.

Tipp: Die Neutralen entscheiden selbstständig über den idealen Zeitpunkt ihres Tiefenlaufs. Die Ballführenden achten auf Breite in ihrem Spiel, um die gegnerische Kompaktheit zu reduzieren. Der Neutrale läuft in die Tiefe, sobald der Ballführende passen kann. Außerdem läuft er dort ein, wo der Gegner gebunden ist, und achtet auf ein offenes Passfenster.

Torschuss nach TiefenlaufOrganisation & Ablauf (Torschuss)

Eine Abwehrkette aus Dummys (alternativ Stangen) 22 Meter vor dem Tor platzieren. Vier Hütchen A und B etwa 15 Meter vor die Dummys stellen.

Zwei Teams bilden und jeweils den Hütchen A und B zuweisen. Die Spieler A haben alle Bälle.

Die Teams greifen im Wechsel nach dem gleichen Muster an. Spieler B sprinten in die Tiefe. Dabei entscheidet er frei über seinen Laufweg. Spieler A passt B, kurz bevor er die Dummys erreicht, den Ball flach in den Fuß. B nimmt den Ball mit seinem ersten Kontakt an den Dummys vorbei mit und kommt vor dem 16er zum Torschuss.

Mit Torschuss "2" startet das zweite Team mit der gleichen Aufgabe. Spieler A wechselt zu B und B mit Ball zu A.

Spieleranzahl: 8–16 Feldspieler.

Wettbewerb: Welches Team erzielt in vier Minuten mehr Tore?

Variation: Seitenwechsel der Teams. Hütchen und Dummys höher stellen. Jetzt wird die Abwehrkette mit einem Flugball/Chipball von A zu B überspielt.

Tipp: Den Flachpass gut getimt mit dem richtigen Druck spielen. Spieler B bietet sich so in den Schnittstellen der Abwehrkette an, dass er nahe bei einem Verteidiger steht und den Ball von ihm abschirmt. So ist die Lücke für die Ballmitnahme möglichst groß.

Torschuss gegengleicher TiefenlaufOrganisation & Ablauf (Torschuss)

Zwei Dummys (alternativ Stangen) etwa 22 Meter vor dem Tor platzieren. Diese simulieren zwei Innenverteidiger (IV). Zwei Hütchen A etwa 20 Meter gegenüber den Dummys stellen und zwei Hütchen B auf je einer äußeren Position.

Zwei Teams bilden und jeweils einer Seite zuweisen. Je ein Spieler zentral hinter den Dummys und zu B und die restlichen Spieler zu A mit Ball.

Die Teams greifen im Wechsel nach dem gleichen Muster an. Spieler C kommt aus dem Rücken der IV dem Spieler A entgegen, A dribbelt kurz an und gleichzeitig startet Spieler B in die Tiefe. A passt leicht in den Lauf von B. In der Zwischenzeit hat C seinen Laufweg Richtung A abgebrochen und ist vors Tor gestartet. B schießt nun entweder aufs Tor oder legt quer zu C. Siehe Abbildung rechte Seite.

Mit Torschuss "3" startet das zweite Team mit der gleichen Aufgabe. Spieler A wechselt zu B, B zu C und C mit Ball zu A.

Spieleranzahl: 10–18 Feldspieler.

Wettbewerb: Welches Team erzielt in fünf Minuten mehr Tore?

Variation: Klatsch-Steil-Prinzip (siehe Abbildung linke Seite). Spieler A passt zu C, C lässt klatschen und A spielt den in die Tiefe startenden B an. Dann gleicher Ablauf wie zuvor.

Tipp: Eine deutliche gegengleiche Bewegung von Spieler C und Spieler B. C muss direkt aufs Tor schießen. Dazu beobachtet er die Bewegung des TW und fixiert sein Fußgelenk. Der Pass zu ihm von B muss mit gutem Druck leicht in seine Bewegung gespielt werden. Beim Querpass darauf achten, dass dieser vom TW nicht abgefangen wird.

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